Bilanz: Verteilung und ökologische (Überlebens)Frage untrennbar

Erste Bilanz zweier Reisen nach Indien und China.

Die Welt hält den Energie- und Rohstoffverbrauchverbauch der westlichen Welt nicht aus, schon gar nicht, wenn dieses Modell auf die ganze Welt umgelegt wird.

Bestseller-Buch von Jared Diamond „Kollaps -warum Gesellschaften überleben oder untergehen“.

Nur durch eine radikale Wende Richtung Nachhaltigkeit in den Industriestaaten gibt’s eine Lösung

Zurück von einer längeren Reise habe ich etwa noch 10 x so viel zu berichten als ich das von unterwegs gemacht habe, und möchte das auch noch irgendwie tun. Zunächst ziehe ich aber eine vorläufige Bilanz einer China- und Indienreise in diesem Jahr:

Kurz: Ich bin noch mehr ernüchtert als vorher: Dubai und Indien als Kontrastprogramm: Verschwendung, Vergeudung und organisierte Klimazerstörung am Golf, aber auch gleichzeitig in Indien protziger Reichtum und existenzbedrohende Armut für hunderte Millionen; die Armen haben bei der Sicherung des Überlebens tatsächlich keine Zeit an die Umwelt zu denken, und die Bessergestellten wollen das offensichtlich nicht.

Es ist mir jedenfalls noch klarer geworden, dass die Verteilungsfrage und die ökologische (Überlebens)Frage untrennbar zusammenhängen.

Die Welt hält den Energie- und Rohstoffverbrauchverbauch der „westlichen“ Welt nicht aus, schon gar nicht, wenn dieses Modell auf die ganze Welt umgelegt wird.

Etwas wirtschaftstechnisch ausgedrückt:

Die rasante „Wachstum“ in China und jetzt verstärkt auch in Indien (um die 10 %) haben konkret und anschaulich näher rücken lassen, was schon mindestens seit drei Jahrzehnten jedem global Denkenden irgendwie klar ist:

Wenn die ganze Welt den Energieverbrauch pro Kopf hat wie Europa und die USA; wenn die ganze Welt den Rohstoffverbrauch pro Kopf hat wie Europa und die USA; wenn die ganze Welt soviel Schadstoffe pro Kopf abgibt wie Europa und die USA; wenn die ganze Welt so viel Fleisch pro Kopf isst wie Europa und die USA, dann, ja dann hält die Welt das nicht aus. Hier nun auf China oder Indien zu deuten, die einen Teil vom Kuchen haben wollen, ist einfach unüberlegt: Nur durch eine radikale Wende Richtung Nachhaltigkeit in den Industriestaaten ist das zu ändern. Es geht um eine Verzehnfachung der Effizienz von Energie und Rohstoffen und schlicht um Umverteilung

Das Positive daran ist, dass es Lösungen gibt. Das schreibt sich allerdings leicht, ist aber bei den derzeitigen Machtverhältnissen nur sehr schwer möglich. Selbst kleinste Schritte in diese Richtung werden von „Verantwortungsträgern“ allenthalben blockiert.

Ich hab mir jedenfalls über Weihnachten das Bestseller-Buch von Jared Diamond „Kollaps -warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ durchgelesen. Wenngleich das Buch nicht immer meinen Geschmack trifft, und einiges mir nicht plausibel scheint, so bringt es doch wertvolle negative (Osterinsel, Mayas?) aber auch positive Beispiele; mehr vielleicht etwas später; nur ein Satz aus dem 700-Seiten-werk: „In der gesamten überlieferten Geschichte führten Handlungen oder Untätigkeit selbstverliebter Könige, Häuptlinge und Politiker immer wieder zum Zusammenbruch von Gesellschaften“.

Ich glaube zusätzlich, dass die breite Mehrheit das letzte Wort haben wird.