Katastrophenfilm oder Realität

Katastrophenfilm von den Folgen des Endes des Golfstromes na ja – Ärger: Bericht der UN-Klimakommission: erstmals wissenschaftliche Prognose auf Rückgang der Kraft des Golfstroms um 30 %

Habe gerade etwas den Katastrophenfilm „The Day After Tomorrow“ im ORFangesehen. Er handelt von den Folgen des Endes des Golfstromes stammt aus dem Jahr 2004. Na ja.

Wirklich der Atem kurz gestockt hat bei mir aber, als ich im Teletext eine Vorinformation über den schon lange erwarteten Bericht der UN-Klimakommission las. Darin wird nämlich nun für mich erstmals wissenschaftlich tatsächlich der Rückgang der Kraft des Golfstroms um 30 % ins Auge gefasst, zwar innerhalb von 100 Jahren, aber immerhin. Irgendwie war es in den letzten 20 Jahren eine Standardfloskel von fachlichen Klimadiskussionen: „Wirklich dramatisch wird es für Europa, wenn mit dem Golfstrom was passiert“. Wenngleich die Auswirkungen komplex und nur schwer genau ausmalbar sind, ist es Grundschulwissen, dass der warme Golfstrom die Basis der Existenz Europas ist, und es auf anderen Kontinenten in unseren Breiten bekanntlich viel kälter, und daher die Siedlungsdichte viel geringer ist.

Irgendwie hoffe ich noch, dass der ORF-Teletext in Hinsicht auf die Werbung für sein Schwerpunktprogramm übertrieben hat. Aber diverse andere Dokumente der letzte Monate haben schon in diese Richtung gewiesen, und dazu soll bedacht werden, dass die UN-Klimakommission seit 15 Jahren immer sehr vorsichtig formuliert und quasi der gemeinsame Nenner von oft (halbstaatlich tätigen) WissenschaftlerInnen aus diversen Staaten ist, und vor allem bisher durch die Wirklichkeit nie wiederlegt worden ist; im Gegenteil die Realität war unerfreulicher als die Prognosen.

Die Meteorologin Prof. Helga Kromp-Kolb und ihr Mann, die jetzt viel in den Medien sind und sicher zu den wichtigsten Wissenschaftlern Östereichs gehören, haben einmal geschildert, wie ihnen bei einer internationalen Konferenz – irgendwann so um 1998 – anders geworden ist, als das durchgehende Muster aller Berichte und Beiträge erstmals eindeutig auf den nicht mehr aufhaltbaren – wenngleich bremsbaren – Klimawandel hingewisen haben. Bis dahin war der Tenor nämlich „wahrscheinlich“, „unter den angenommenen Bedingungen“ usw.

Vor kurzem hat mir ein amerikanischer Wissenschaftler in Delhi gesagt, er glaube, dass in den USA noch ca. 5 Katastrophen vom Typ New Orleans – sehr wahrscheinlich in Florida – kommen, bis wirklich ein Umdenken einsetzt. Ich hoffe, er hat nicht recht.