Strache oder „So hoch wochst bei uns der Kukuruz!“

Rechte Hand hoch und „So hoch wochst bei uns der Kukuruz!“ – Paintball verblasst gegen Indianerspielen und Bundesheer-Ausbildung – „Opernball“ von Haslinger fast prophetisch – Haiders Selbstverliebtheit ließ ihn auf rechtem Populismus zu setzen, durch dessen Widersprüche er letztlich abstürzte – jetzt aber werden Nägel mit Köpfen gemacht

„So hoch wochst bei uns der Kukuruz“

Es muss in den ersten Mittelschuljahren gewesen sein, da war es in Tulln ein bißchen so was wie ein – wie man heute sagen könnte – Running Gag: Hitlergruß und „So hoch wochst bei uns der Kukuruz!“. Es dürfte von Älteren ausgegangen sein, und ich weiß bis heute nicht, ob da Altnazi-Nostalgie oder Jungnaziromantik mitschwang, oder es eher einfach Dummheit oder eine bestimmte Sorte von Humor war. das kommt mir in den sinn, wenn jetzt tagelang darüber ernsthaft diskutiert wird, ob Straches erhobene Hand eher ein neonazistischer Gruß, ein antifaschistischer Südtiroler Gruß (FP-Version), eine Bierbestellung (Strache-Version) oder Dummheit war.

Paintball verblasst gegen Indianerspielen und Bundesheer-Ausbildung

Und auch bei Paintball dämmerte es mir. Paintball dürfte ja jetzt durch die lustigen Strache-Fotos einen enormen Bekanntheitsschub erfahren haben. Ich kenn es seit etwa 3 Jahren. Das kam so: Ein „besonderer“ Freund von mir, der „Umweltsprecher“ der ÖVP-Niederösterreich, der Landtagsabgeordnete Friewald hat das Talent, dass fast alles zu Gold wird, was er angreift. Wir sind im selben Dorf aufgewachsen und er hat es auch zum Bürgermeister gebracht, was den Vorteil hat, dass er ziemlich unbürokratisch auch seine eigenen Grundstücke einer Umwidmung zuführen kann. Er bezeichnet sich gerne „Bauer“ – er vertritt auch den „Bauernbund“, lebt aber eher von Immobilien und- Müllgeschäften. auf einem seiner Felder hatte diverse Müllablagerungen, die mit Erde vermischt eine wilde Hügellandschaft ergaben. Es kam nun das Gerücht auf, dass dort so was wie Wehrsportübungen stattfänden. Ich schaute mir das an und traf zum ersten Mal auf – Paintballer! Es hieß, hauptsächlich „Exekutivbeamte“ seien auf diesem Platz sehr gern dabei, alles diene nur der Ertüchtigung und sei einfach Sport. Ich gestehe, dass mich das wahrscheinlich mit 12 Jahren auch schwer beeindruckt hätte, denn unserer Indianerspiele waren dagegen jämmerlich unprofessionell. Die Dynamik dieses „Sports“, schnelles Laufen, Decken, Schießen und fast echte Blutspritzer haben mich aber auch jetzt insofern beeindruckt, als dagegen alle Übungen beim Bundesheer, die ich erlebt habe, verblaßen. Vor einiger Zeit hat nun der Abgeordnete eine noch lukrativere Verwendung für sein Grundstück, und jetzt müssen die Sportbegeisterten nach Ried am Riederberg ausweichen.

„Opernball“ von Haslinger fast prophetisch

Und schließlich fällt mir noch das Buch „Opernball“ von Haslinger ein (es muss irgendwann in den 90er Jahren erschienen sein), von dem es ja auch einen Fernsehfilm gegeben hat. Es endet – aus heutiger Sicht fast prophetisch – damit, dass die Haiderpartei nach ihrem Aufstieg in den 90er Jahren von einer radikaleren Rechts-Partei abgelöst wird: von Populismus und Schickí-Micki zu einer „offensiveren“ Rechtspolitik. Natürlich ist die Realität komplizierter, die Unterschiede zwischen BZÖ und FP sind nur Insidern klar, aber klar ist, dass in der derzeitigen FP harte alte und neue Rechte ziemlich maßgeblich sind, und Strache da nicht untypisch ist.

Haider hat zwar in Reden auch die SS gelobt und mit diversen Rechten in Europa geliebäugelt, seine Selbstverliebtheit ließ ihn den Schwerpunktauf rechtem Populismus zu setzen, durch dessen Widersprüche er letztlich abstürzte; jetzt aber werden Nägel mit Köpfen gemacht. Die neue Rechtsaußenfraktion im EU-Parlament unter maßgeblicher Beteiligung der FPÖ zeigt eine neue Qualität.