In Memoriam Alfred Worm: Worm und Purkersdorf

Mit Alfred Worm geht ein unbestechlicher Begleiter von Macht und ihren Auswüchsen auf allen Ebenen. Alfred Worm war ein Jounalist, wie er sein soll: Unverhabert und kritisch – Vor 20 Jahren schrieb Worm im Profil eine Seite mit der Überschrift: „STEUERPARADIES PURKERSDORF: KP-Gemeinderat kritisiert und ein ÖVP-Finanzstadtrat trat zurück“: die Landes-VP hatte nämlich in Purkersdorf ihre Zeitschriften verlegt, aber unter der selbstherrlichen absoluten Mehrheit der VP keine Anzeigenabgeaben bezahlt. 

Alfred Worm war ein Jounalist, wie er sein soll: Unverhabert und kritisch, auch wenn es Leute betraf, die der Partei angehörten, für die er zeitweise tätig war. Nicht zufällig war Alfred Worm Bauingeneur und kam über die bis heute in diesem Sektor oft üblichen Bräuche zum Journalismus. Im Baubereich, wo öffentliche und Firmeninterssen massiv aufeinandertreffen, gibt es nicht selten fließende Übergänge von Gegengeschäften, seltsamen Vergaben und gesetzwidrigen Praktiken.

– Ein tolles Buch dazu übrigens über Wien ist übrigens vor einigen Tagen erschienen: Reinhard Seis: „Wer Baut Wien“ Zwischen den Zeilen wird erschreckend deutlich, dass es Korruption nicht nur in Kasachstan gibt.

Korruption gibt es unabhängig von der poltischen Ausrichtung offenbar überall, wo die Kontrolle nicht existiert, nur Formsache ist, oder schwach ist. Daher wird es Leute wie Worm noch lange brauchen, wenngleich sie heute trotz aller Effekthascherei eher weniger zu werden scheinen.

Mit Alfred Worm geht ein unbestechlicher Begleiter von Macht und ihren Auswüchsen auf allen Ebenen. Beindruckend find ich auch, dass er aus unzähligen (presse)rechtlichen Verfahren unbeschadet ausstieg. Einmal wurde er allerdings zu einer Strafe von 30 000 S in erster Instanz verdonnert, weil er einen sehr hohen Bundesheeroffizier als „Trottel“ bezeichnet hatte. Dieser war der FP-Abgeordnete John Gudenus und ist inzwischen wegen KZ-Leugnung verurteilt. Dieser hatte ihm einen Vergleich angeboten, Worm lehnte ab, und meinte, es sei ihm soviel Wert sojemand „Trottel“ bezeichnen zu dürfen.

 

Vor 20 Jahren – am 16.11.1987 schrieb Worm im Profil 46/87 eine ganze Seitezu Purkersdorf: Überschrift: „STEUERPARADIES PURKERSDORF: KP-Gemeinderat kritisiert und ein ÖVP-Finanzstadtrat trat zurück“: die Landes-VP hatte nämlich damals in Purkersdorf ihre Zeitschriften verlegt, aber unter der selbstherrlichen absoluten Mehrheit der VP keine Anzeigenabgeaben bezahlt. Die Landes-VP hatte sozusagen Steuer hinterzogen, damit ihre eigenen Gesetze nicht eingehalten und die Purkersdorfer ÖVP hatte das gedeckt. – Heute funktioniert die Werbung in den überregionalen VP-Medien mit Riesenanzeigen im Prinzip genauso wie damals, nämlich dass Firmen, die vom Land mehr oder weniger Aufträge erhalten, bei der ÖVP Anzeigen schalten, nur jetzt haben sie das alles zumindest ins rechtliche Lot gebracht.

Damit wurden die damligen Zustände in der Gemeinde und die Kämpfe (es ist nicht übertreiben, dass so zubezeichnen) innerhalb der Stadt-VP auch überregional bekannt. Alles mündete in vorzeitige Neuwahlen und die sehr machtbewusste damalige ÖVP verlor ihre abslute Mehrheit. doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Was mich an Worm damals wirklich sehr beineindruckt hatte, war, dass er – obwohl er kurz vorher für die VP tätig war, mir als damaligem KP-Gemeinderat offenbar mehr glaubte, als manchen Leuten der VP-Niederösterreich. Er richtete sich unbeirrt nach den Fakten und Unterlagen nach dem Motto „Was wiegts, das hats“. – In der Geschichte Worms sind ganz andere Kaliber zurückgetreten, Purkersdorf war da eine Provinzanekdote. Aber es waren eben für ihn auch die kleinen und mittleren Dinge wichtig.

Möge es viele im Sinne Worms auch in Zukunft geben!