Hungerkrisen in Entwicklungsländern am Horizont

„Die Presse“ schrieb am 02.02.2008 groß auf Seite 1: „Die Rückkehr der Brotrevolten. Weltweite Proteste. Die stark steigenden Lebensmittelpreise lösen soziale Unruhe von Ägypten bis Pakistan aus“ – Hier Hintergründe dazu, und wie es mit der österreichischen Landwirtschaft steht: Einige Eindrücke von der Wintertagung des Ökosozialen Forums – Teil 1

„Die Presse“ schrieb am 02.02.2008 groß auf Seite 1: „Die Rückkehr der Brotrevolten. Weltweite Proteste. Die stark steigenden Lebensmittelpreise lösen soziale Unruhe von Ägypten bis Pakistan aus“ –

Hier Hintergründe dazu, und wie es mit der österreichischen Landwirtschaft steht:

 – Einige Eindrücke von der Wintertagung des Ökosozialen Forums Teil 1

Seit Jahrzehnten gibt es die land- und forstwirtschaftliche Wintertagung, die seit einigen Jahren vom Ökosozialen Forum Österreich abgewickelt wird. Dort trifft sich alles, was in der Land- und Forstwirtschaft in Österreich Rang und Namen hat, vom Minister abwärts, die diversen – nicht wenig einflussreichen Agrarlobbys sind präsent und vertreten ihre letzten Argumentationslinien. Ich habe die Tagung besucht, weil sich die Nahrungsmittel- und Agrarpreise ist der letzten Zeit beträchtlich entwickelt haben und weil vor Allem auf internationalem Gebiet drastische Steigerungen und echte Ernährungskrisen in Entwicklungsländern, die sowieso oft eine prekäre Versorgung haben – zu beobachten sind.

Im Vergleich zu Österreich astronomische Preissteigerungen für Lebensmittel in Entwicklungsländer

So schrieb etwa „Die Presse“ am 02.02.2008 auf Seite 1 unter “ Die Rückkehr der Brotrevolten. Weltweite Proteste“:

„Was Wohlhabende im Westen kaum spüren, lastet um so drückender auf den Armen.“
„Von Mexiko über Mauretanien, Jemen und Senegal bis Usbekistan und Indonesien treibt die drastische Erhöhung der Lebensmittelpreise zornige Bürger auf die Strasse.“

Zur Erinnerung: Indische Kleinkinder sind nach offiziellen Statistiken zu 38 % „chronisch unterernährt“, mit allen Folgeerscheinungen, die hier nicht näher ausgemalt werden müssen
– (Die Preisentwicklung der Weltmärkte im Jahre 2007 laut Presse: Weizen: + 83 %, Milchprodukte: + 84 %, Ölsaaten: + 75 %)

Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise in Österreich um bis zu 10 % ist da im Vergleich dazu ja gering und es stimmt sicher, dass jahrzehntelang die Nahrungsmittelpreise eher gefallen sind.

Eine Studie der Universität Stanford geht übrigens von drastischen Ernteeinbrüchen bis 2030 durch den Klimawandel aus (Salzburger Nachrichten 02.02.2008).

Was mich also interessiert, ist einerseits die globale Zuspitzung der Ernährungslage und andererseits die Entwicklung der Landwirtschaft in Österreich. Ich finde die Milliardensubventionen für unsere Landwirtschaft in dieser Form einen Skandal. Allerdings nicht wegen der Höhe, sondern weil vor allem die Großagrarier unter dem Vorwand des Landschaftsschutzes profitieren, genau diese aber und Boden und Wasser durch Kunstdünger und Spritzmittel versauen.

„Zukunftshoffnung“ Pröll: Erster beim Geldabholen, vorletzter bei Kyoto-Klimazielen

In der Einleitung kam Minister Pröll (die „Zukunftshoffnung“ der ÖVP) schnell und stolz zur Sache: „Als einziges Land in der EU konnte Österreich zulegen“. Wobei? Bei der Zahlung von Subventionen der EU an unsere (Groß-) Agrarier. Dadurch und durch etwas gestiegene Einnahmen sowie durch verdoppelte österreichische Investitionsförderungen kann der Minister weiter stolz verkünden: „Noch nie wurde bei uns so viel in der Landwirtschaft investiert wie heute!“ Und da dürfte der Minister auch richtig liegen: Wer im Land herumkommt, sieht die vielen neue Hallen, Ställe und große Maschinen. Das wäre auch nicht übel, wenn hier die Wende zu einer ökologischen Landwirtschaft vollzogen würde. Doch dafür werden die Investitionen leider nur zum allerkleinsten Teil verwendet. Die Richtung geht – von oben unterstützt – Richtung chemisierte Landwirtschaft mit allen Folgen. Ist das die Zukunftshoffnung?

Scherzhaft meinte der Minister auch: „Ich bin die Inkarnation des Widerspruchs zwischen Landwirtschaft und Umwelt.“ Leider ist das auch nur allzu wahr. Bekanntlich vertritt der Minister real vor allem die Großagrarier und kaum die Umwelt. Die österreichische Landwirtschaft trägt vor Allem durch die Chemisierung zu nicht weniger als etwa 9 % des CO2 in Österreich bei, obwohl der Anteil der Beschäftigten und des erzeugten Produkts nur bei etwa 2 % liegt. Diese Tatsache wurde zwar von einem Referenten angesprochen, aber das ist in Österreich noch fast ein Tabu, auf das die Großagrarier äußerst indigniert reagieren (im Detail dazu einmal später, etwa zum berühmten Methan der Kühe).
Während die“Zukunftshoffnung“ Pröll stolzer Erster beim Geldabholen in der EU ist, ist er vorletzter in der EU bei der Realisierung der gesamtösterreichischen Kyoto-Klimaziele.

Fortsetzung folgt