Droht ?Klassenkampf? zwischen Groß- und Kleinbauern in Österreich?

Hungerkrisen in Entwicklungsländern am Horizont: Teil2

Bauernkammerpräsident und Minister springen Großgrundbesitzer bei

Nach 130 Jahren „Tretmühle“: Historische Wende bei den Agrarpreisen

Landwirtschaft als „Zukunftsbranche“

Droht „Klassenkampf“ zwischen Groß- und Kleinbauern in Österreich?

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Hintergründe zur globalen und österreichischen Landwirtschaft – Einige Eindrücke von der Wintertagung des Ökosozialen Forums

Der Minister kann in seiner Einleitung aber nicht nur von Erfolgen berichten, er muss sich auch in eine Niederlage fügen. Obwohl er meint: „Die Bauern sollten nicht singulär ins Schaufenster der Neidgenossenschaft gestellt werden“, fügt er sich in das Schicksal und demnächst sollen die EU-Subventionen nach Empfängern transparent aufgeschlüsselt werden.
Und dann der Minister eigentlich sehr positiv kämpferisch: „Wir werden nun aber auch andere Bereiche zur Diskussion stellen“ (Da wären als Tipp zum Beispiel die Einkommen der Manager in staatsnahen Unternehmen und Institutionen zu empfehlen!) Man darf gespannt sein.

Bauernkammerpräsident und Minister springen Großgrundbesitzer bei

Herr Felix Montecuccoli, der Präsident von „Land & Forst Betriebe Österreich“ (das sind die Großgrundbesitzer, von denen es in Österreich gar nicht so wenige gibt), beklagt bitterlich, dass die EU die Subventionen neuerdings ab 2013 nach einem „Degressionsmodell“ vergeben möchte (große Betriebe sollen pro Hektar etwas weniger bekommen): „Produktive und effiziente Betriebe dürfen nicht bestraft werden!“ Und der Minister steht ihm bei und möchte dafür kämpfen, dass diese schreckliche Degression doch entscheidend abgemildert wird.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreichs, Herr Gerhard Wlodkowski,
sprang ebenfalls bei, lehnt den „Klassenkampf“ ab, und nach alter und bewährter Methode der Großagrarier meinte er: “ Groß und Klein sollen sich nicht auseinander trennen lassen!“ Unter dem Vorwand der kleinbetrieblichen Struktur und Naturnähe der Landwirtschaft haben die Großbauern in Österreich seit Jahrzehnten abkassiert und gleichzeitig Boden, Wasser, Umwelt und Klima beinträchtigt.

Recht hat der Präsident aber sicher darin, dass die EU „für Rüstung und Verteidigung rund vier Mal soviel wie für die Landwirtschaft“ ausgibt. Da könnten unsere bewährten Lobbyisten ja wirklich aktiv werden, eigentlich ein sehr guter und sicher sehr lohnender Hinweis.

Nach 130 Jahren „Tretmühle“: Historische Wende bei den Agrarpreisen

Ein deutscher Professor namens Witzke stellte eindrucksvoll dar, dass die Agrarpreise für die Bauern von 1870 bis 2000 weltweit gefallen sind und seitdem jedenfalls global wieder ansteigen: „Für immer mehr Menschen wurde immer mehr Nahrung zu billigeren Preisen und zu besserer Qualität produziert, aber die Bauern hatten nicht viel davon.“ Er nennt diese (vergangene) Zeit das Zeitalter der „Tretmühle“. Die enorme Zunahme der Versorgung einer im 20. Jahrhundert um das Vierfache gestiegene Bevölkerung muss entsprechend den Bevölkerungsprognosen auch weiter gehen. Doch die Flächen sind begrenzt, eventuell könnten noch fünf bis acht Prozent landwirtschaftliche Flächen mobilisiert werden.

Nach der Welternährungsorganisation FAO müssten bis 2030 um 55 % mehr Nahrungsmittel erzeugt werden. Dabei wird allerdings angenommen, dass steigende Einkommen andere Ernährungsgewohnheiten bewirken (Fleisch braucht in etwa zehnmal mehr Fläche pro Kalorie als pflanzliche Nahrung).

Landwirtschaft als „Zukunftsbranche“

Daraus ergibt sich auch die Prognose, dass zumindest für Deutschland die Landwirtschaft in absehbarer Zeit nicht nur schrumpfen wird, sonder wieder expandieren kann, sozusagen eine Zukunftsbranche wird.

Die weltweit steigenden Agrarpreise sind zwar gut für Europas Landwirtschaft, aber schlecht für die eine Milliarde Menschen, die mit einem Einkommen bis zu einem Dollar pro Tag mehr schlecht als recht leben muss.

Die am wenigsten Länder (LDC) waren früher Netto-Exporteure von Nahrungsmitteln, jetzt sind sie Importeure geworden, um die Nahrungsmittellücken in diesen Ländern werden sich vergrößern. Das wird wiederum die jetzt schon bestehende Mangelernährung verstärken. Zusammen mit dem Druck aus der Produktion von Agrotreibstoffen wird die Tendenz zu Brandrodungen des (Regen-)waldes dadurch größer.
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