Aus der Ferne wird der Blick auf NÖ offenbar klarer

„Landeshauptmann als demokratiepolitischer Sonderfall“ – „Innenministerium als ÖVP-Filialbetrieb“ – „huldigende Redakteure“ – „in Kitzbühel wurde Pröll abgefilmt, als habe er Abfahrt, Slalom und Kombination in einem gewonnen“ – Auszüge aus einem Artikel der Salzburger Nachrichten 12. 2 2008

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Der Sonderfall Erwin Pröll

Andreas Koller Wien (SN).

Schlaglichter aus Niederösterreich: Bei der letzten Personalvertretungswahl des Landesdienstes erzielte die ÖVP 91,8 Prozent der Stimmen.

Schlaglichter aus Niederösterreich: Die laut Impressum unabhängigen Niederösterreichischen Nachrichten publizierten dieser Tage eine Sonderausgabe zur Landtagswahl am 9. März. Darin ist mehrfach Landesvater Erwin Pröll zu sehen inklusive doppelseitiges Interview. Andere Spitzenkandidaten kommen weder zu Wort noch ins Bild. Die huldigenden Schlagzeilen lauten Lebenswertes Niederösterreich und Land zum Wohlfühlen. Der huldigende Redakteur schreibt: Niederösterreich wurde stets straff geführt und das Land ist gut damit gefahren.

?. Im jüngsten „Falter“ wurden niederösterreichische Zeitgenossen über ihre Meinung zu Erwin Pröll gefragt. Dabei gewann man den Eindruck: Selbst kritische Geister nähern sich dem Landesherrn in der Haltung von schulpflichtigen Kindern, die zum Schuldirektor zitiert wurden. „Der Landeshauptmann hat danach eine halbe Stunde mit mir geplaudert“, gibt der Kabarettist Florian Scheuba stolz zu Protokoll. Grünen-Chefin Madeleine Petrovic im Ton einer kecken Klassensprecherin: „Wichtig ist nur, dass man sich ihm aufrecht nähert.“

Und ORF-Chefredakteur Richard Grassl schwärmt ausführlich von der Volksnähe des Fürsten (flog einst Economy-Class. . .)

Schlaglichter aus Niederösterreich: Als sich bei einer Feierstunde ein 77-Jähriger Pfarrer im Ton vergriff, kanzelte ihn Pröll in einer Schärfe ab, die schaudern machte: „Legen Sie sich nicht mit mir an, sonst müssen wir wo anders weiter reden. . . “ – Zu sehen auf YouTube.

Kurz gesagt: Niederösterreich ist ein demokratiepolitischer Sonderfall. Mit freundlichen Medien und zufriedenen Menschen und einem Landeshauptmann, der selbst ein demokratiepolitischer Sonderfall ist. Erwin Pröll regiert nicht nur mit absoluter Mehrheit, sondern auch mit strenger Hand. ?.

?. Auch andere Künstler, von Mendt bis Merkatz, sind bekennende Fans des Landeshauptmannes.

? Pröll in allen Landesmedien. Neben den „Niederösterreichischen Nachrichten“, die dem Landesvater hold sind, agiert das ORF-Landesstudio als verlässlicher Lieferant von Pröll-Bildern in jedes Wohnzimmer zwischen Laa an der Thaya und Gloggnitz. Bei den ORF-Berichten von den Weltcuptagen in Kitzbühel wurde Pröll abgefilmt, als habe er Abfahrt, Slalom und Kombination in einem gewonnen.

Natürlich gereicht auch die enge Verbindung zum mächtigen Raiffeisen-Boss Christian Konrad (samt angeschlossenem Medienkonzern von „Kurier“ bis „profil“) dem mächtigen Landesvater keineswegs zum Nachteil. Konrad führt sogar die Plattform „Initiative für Erwin Pröll“, die dem LH am 9. März zur Wiederwahl verhelfen soll.

Innenministerium als ÖVP-Filialbetrieb?Des Landesfürsten Machtfülle strahlt nicht nur in alle Landesviertel, sondern auch in die Bundespolitik. In der ÖVP kann kein Parteiobmann gekürt werden, ohne dass der Niederösterreicher dazu seinen Segen gibt. Und es kann kein Bundesparteiobmann bestehen, dem Pröll seinen Segen entzieht. Der Sturz Erhard Buseks 1995 wurde durch ein „Kurier“-Interview eingeleitet, in dem Pröll ankündigte, „den Herrschaften in der Bundespartei“ künftig „ins Ruder“ greifen zu wollen.

Licht und Schatten: Das Innenministerium, das im Verdacht des parteipolitischen Missbrauchs steht, wurde von 2000 bis 2006 von Vertrauensleuten Prölls aus der nö. ÖVP geführt ?Einige Herrschaften scheinen das Ministerium mit einer Filiale der niederösterreichischen Volkspartei verwechselt zu haben?.“

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