Gustav fegt über Kalte Krieger

In diesen Stunden erreicht fast exakt drei Jahre nach Katrina wieder ein Wirbelsturm New Orleans. Eine Millionenstadt ist evakuiert worden. Wir werden live Zeugen, von Vorgängen, wie sie in 20 Jahren wahrscheinlich nicht selten sein werden. Denn die Klimaerwärmung – das wärmere Wasser führt zu mehr Energie in den Wirbelstürmen – ist ja erst am Anfang und kommt in Fahrt, leider ohne dass sie kurz- und mittelfristig zu stoppen ist

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Irgendwie ist es fast ein Akt der Gerechtigkeit, dass Gustav auch den Parteitag der Republikaner in den USA kräftig durchbläst. Die Kraft, die durch ihre engsten Verbindungen zur Öllobby jahrelang den Klimawandel nicht nur ignoriert hat, sondern an der Regierung bewusst wissenschaftliche Studien unterschlagen und verbogen hat, die auf internationaler Ebene die Hauptverantwortlichkeit für das Nichtstun hat und sogar minimale Schritte wie den Kioto-Vertrag bis heute sabotiert.
Der Parteitag des Mc Cain, des alten Kalten Kriegers, der voll auf weitere Aufrüstung setzt, statt das fast unermesslich hohe US-Rüstungs- und Todesbudget für wichtigere Dinge wie auf effizientere Energieverwendung umzulenken, wird jedenfalls ordentlich durchgeblasen. Selbst Präsident Bush schaut sich die Sache nicht mehr nur aus dem Flugzeug von oben an wie vor 3 Jahren.
In Ö1 war vorige Woche eine Serie, die klar aufzeigte, wie ungeheuerlich die Weltmacht USA bei der Katastrophe von New Orleans versagte, weil sie erstens die Klimakrise negiert hat, und zweitens ärmere Leute buchstäblich untergehen ließ. Die einzige Sorge war der Schutz materieller Werte gegen Plünderer. Das hat sich dann bei einem Wasserstand von bis zu 7m weitgehend erübrigt.
Das Ganze zeigt auf, dass sie Ärmeren auf der ganzen Welt in einer polarisierten Gesellschaft von künftigen Klimaveränderungen beträchtlich bedroht sind und sich wehren müssen, wenn sie ihre Existenz schützen wollen.
Heute dürfte die Supermacht USA zumindest zu Evakuierungsmaßnahmen fähig sein, aber die Ärmeren (Schwarzen) sind in den letzten Jahren bei der Katastrophe und nachher ordentlich zum Handkuss gekommen.
In Kuba, das übrigens viel mehr von Hurricans betroffen ist, hat der jetzige Sturm laut Medien bis zu (unglaublichen) 340 kmh erreicht. Offenbar kann auch ein kleines Land, das aber immerhin Ärmere nicht so im Stich lässt, die Auswirkungen leichter abmildern.

Ein US-Ökologe hat mir kürzlich gesagt, für ein generelles Umdenken in den USA braucht es noch einige Katrinas. Katrina brachte 125 Milliarden und 1800 Tote; was ist das für ein System, das solche Verluste zum Umdenken braucht?
Vielleicht geht dieser Sturm ohne größere Opfer vorüber. Er sollte ein Zeichen zum Umdenken sein.