Die Solidarität mit Glanzstoff-ArbeiterInnen wird breiter

Der Kapitaleigner sagte dem „Wirtschaftsblatt“(25.7), er möchte nicht über Glanzstoff reden, er möchte lieber über die Zukunft reden. Er wird aber sicher noch ermutigt werden, nicht nur über seine Zukunft, sondern auch die von über 300 Leuten in einem Unternehmen mit sehr positiver Substanz zu reden. Zumal die Solidarität mit den Betroffenen und das Unverständnis über das Vorgehen der Kapitalseite immer größer wird. – Im folgenden ein deftiger Solidaritätsbrief des Lenzing-Betriebsratobmanns, der immerhin an die 300 Leute vertritt; und noch dazu quasi aus einem Konkurrenzkonzern kommt:

„Als Arbeitnehmer bekommt man nicht die Gerechtigkeit kostenlos, diese muss man sich erkämpfen!!!

Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wieder hat der Kapitalismus mit voller Härte zugeschlagen. Hier hat eine Horde wild gewordener Spekulanten und Finanzbanditen eine Welt der Ungleichheit und des Schreckens errichtet. Dieser Kapitalismus treibt auf eine ausweglose Situation zu. Der Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, der Ausweg in die Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion.
Anhand solcher negativen Entwicklungen hört man oft die „hilflosen“ Worte „was kann ich dagegen tun?“. Als einzelner ist es tatsächlich unmöglich etwas zu verändern.

Was wir brauchen sind Menschen mit Rückgrat!

Ob wir diese bei unseren Politikern finden, bezweifle ich. Beispiele der unterschiedlichsten Regierungen Europas bekräftigen mich in meiner Meinung. Sie sind zum Großteil Handlanger des Kapitalismus geworden. Dies zeigt uns vor allem eines: niemand wird uns retten. Keine Partei und kein Gesetz. Wir müssen uns selbst helfen. Wir müssen denen entschlossen entgegentreten, die uns mit „Marketingslogans“ wie „geht’s der Wirtschaft gut, geht’s auch uns gut“ am Schmäh halten. Um Widerstand zu leisten und um etwas verändern zu können brauchen wir allerdings Menschen mit Rückgrat. Gehen wir`s an. Wir können etwas ändern. Denn wir sind viele.

Ich wünsche euch mit eurem Solidaritätskomitee im Kampf für Gerechtigkeit viel Erfolg.

Betriebsratsvorsitzender Lenzing Plastics
Klaus Gerzer“