1973 Chile: Der andere 11. September

Heute jährt sich der Terror-Anschlag in New York, mit tausenden unschuldigen Opfern. Es jährt sich aber auch rund ein anderer 11. September: Heute ist unbestritten, dass der Putsch am 11.9.1973 und das folgende Blutbad mit tausenden Toten vom CIA und amerikanischen Konzernen inszeniert wurde. Damit wurde der Versuch der linken Allende-Regierung gestoppt einen neuen Sozialismus auch unter Beachtung aller parlamentarisch-demokratischen Regeln zu errreichen.

Der damals von den USA installierte Diktator Pinochet sprach offen davon, dass „die Demokratie manchmal in Blut gebadet werden“ müsse.

Für mich persönlich hat dieses Ereignis den weiteren Lebenswegs wesentlich bestimmt, und ich erinnere mich noch ganz gut daran: Ich wollte ursprünglich einmal sowas wie „Entwicklungshelfer“ werden, kannte Herbert Berger aus meiner Herkunftregion, der damals als katholischer Pater in Chile war, aber durch seine Arbeit in den Slums mit der linken Regierung zusammengearbeitet hatte, dann ausgewiesen wurde, und in der Folge als Vorsitzender der Chile-Solidaritätsfront (und in der SPÖ) bis heute einschlägig tätig ist.

Für mich war diese große Betroffenheit damals der entscheidende Schritt der Annäherung an die KP. Die KP hatte in Chile Allende unterstützt. Chile war damals eines der wenigen Dritt-Welt Länder mit demokratischer Tradition; die sozialistische Entwicklung, die von den Christdemokraten mitgetragen wurde, hatte damit weltweit einen Vorbildscharakter, und wurde eben so brutal gestoppt.

Wenn solche Verbrechen der USA möglich sind, sagt ich mir, dann würden sich damit auch Mängel und (frühere) Verbrechen in den Oststaaten relativieren; die weltweite Auseinandersetzung sei eben hart. Heute sehe ich das schon länger nicht mehr so; aber die Verbrechen in Chile, von einer Weltmacht angestiftet, die die Menschenrechte auf den Lippen führt, bleiben historisch, und haben allein in Lateinamerika böse Folgen gehabt; weitere Militärregimes wurden inspiriert, Lateinamerika hatte „verlorene“ Jahrzehnte und fiel zurück; so war Argentinien einmal schon nahe einem europäischen Stand, und ist heute weit abgeschlagen. Die blutige Militätdiktatur folgte auf chile in den 70er Jahren….

2 Kommentare zu „1973 Chile: Der andere 11. September

  1. Der mediale Fokus auf den seinerzeitigen Terroranschlag auf die Twin Towers in New York lässt einem in diesen Tagen tatsächlich vergessen, dass die USA im September 1973 Chiles demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt haben (mit all den furchtbaren Folgen für den Großteil der Bevölkerung Chiles).
    Gut, daran erinnert zu werden!
    By the way: Im 2. Abschnitt deines Beitrags schreibst Du vom "von den USA installierten Diktator Allende" – soll wohl "Pinochet" statt Allende heißen….
    M. Bauer

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