Werden Glanzstoffarbeiter jetzt auch von Gewerkschaft im Stich gelassen?

Äußerst kritische Lage, sture Geschäftsführung treibt Unmut in Höhe, unerwartetes Abtauchen der Gewerkschaft, Produktion unmittelbar gefährdet – Gestern war Betriebsversammlung. Sie brachte die sture Ablehnung von erwarteten nennenswerten Sonderzahlungen durch die Geschäftsführung; und leider eine Funkstille bei anwesenden Gewerkschaftsvertretern, obwohl seit Wochen mit Worten Aktionen und Bemühungen in den Raum gestellt worden waren.

Die Geschäftstimmung schindete bei der Betreibsversammlung nur Zeit und so konnte durch das laufende Weggehen vieler enttäuschter Arbeiter die vorbereitete Resolution für Aktionen zur Rettung des Standorts nicht mehr beschlossen werden.

Dadurch ist eine sehr kritische Lage entstanden. Das Unternehmen hat durch die sture Ablehnung von erwarteten nennenswerten Sonderzahlungen über den Sozialplan extremen Missmut provoziert, und jedenfalls ist jetzt der Krankenstand hinaufgeschnellt; und es ist nicht mehr sicher, wie lange das Werk überhaupt noch so produzieren kann. Allerdings ist bei einer unkontrollierten Einstellung der Produktion das Werk überhaupt nicht mehr so einfach hochzufahren.

Der gestrige Tag hat somit leider nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, ja im Gegenteil: die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg in der Hauptsache des Erhalts des Produktionsstandorts ist nüchtern betrachtet gesunken; wenngleich von Anfang an klar war, dass das schwierig wird, und die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg immer begrenzt war.

Das komplette Abtauchen der Gewerkschaft kam aber doch unerwartet, und es war von Anfang klar, dass die Unterstützung der Gewerkschaft wichtig ist
Wenn der Kapitaleigner nicht mehr will, das Land keinen Finger rührt, die Gemeinde auch nicht immer hilfreich ist, und die Gewerkschaft Sachen nur ankündigt, aber real offenbar nur abgewartet hat, dann ist es halt verdammt schwer.
Ich glaube aber, die Hoffnung soll trotzdem nicht aufgegeben werden. Es kann noch immer unvermutete Wendungen geben. Aufgeben tut man in einer wichtigen Frage wirklich erst, wenn alles vorbei sein sollte.
 
Was soll man sagen, wenn ein führender Gewerkschaftler, der das ganze bei Semperit schon einmal direkt erlebt hat, von großen Aktionen nur geredet hat. Wenn er im Juli sagt, noch nächste Woche bis zur einer Verhandlung abwarten; eine Woche später soll noch auf den Sozialplan gewartet werden, wieder eine Woche später soll noch auf einen neuen Bescheid gewartet werden, eine Woche drauf soll noch auf den Einspruch gegen den Bescheid gewartet werden, dann noch auf neue Gespräche, und schließlich dann noch einmal auf eine Betriebsversammlung. Die war nun gestern. Der Betriebsratsobmann sagte mir gestern, wir sollen jetzt wieder eine Woche warten, bis der führende Gewerkschaftler, der eigentlich ursprünglich zur Betriebsversammlung erwartet wurde, in einer Woche aus dem Urlaub zurück ist.
 
Da bis dahin – siehe oben – die Glanzstoff-Produktion leicht Geschichte sein kann – ist eine weitere Vertröstung um eine Woche mindestens als unpassender Scherz einzustufen; eventuell im Bewusstsein, dass an die bisherigen Vertröstungen erfolgreich angeknüpft werden kann.
 
Nüchtern betrachtet waren wir bei der Bemühung um die Rettung etwas zu blauäugig. Aber wir haben wieder gelernt, und können die Erfahrungen weitergeben.
Ich finde es gut, dass gestern bei der Plattform, trotz aller unerfreulicher Nachrichten kein Katzenjammer war, und das wir weitere Aktionen, insbesondere für Dienstag konstruktiv fixiert haben. Ich finde die bestehende aktive Gruppe wunderbar, und wir können noch einiges entwickeln.

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