Dramatische Wende bei Glanzstoff: Unternehmer verweigert Unternehmerrolle

Gestern fand eine Kundgebung und Demonstration in St. Pölten statt, leider nicht vor dem Haus des Unternehmers, sonders vor der Gewerkschaft, da wir nicht sahen, dass sie öffentlich aktiv geworden wäre. Darüber und über die lange weitere Diskussion mit einem Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräten gibt es anderweitig Berichte. Auch die Medien haben berichtet. Doch inzwischen haben sich die Ereignisse förmlich überschlagen, leider nicht in eine positive Richtung.

Ich hab kein Gesamtbild; angesichts der Tragweite und weil morgen wahrscheinlich einiges dazu aus Unternehmersicht in den Medien sein wird, (und ich auch wegfahre) Info in Kürze:

Der Eigentümer Dr. Cornelius Grupp hat heute um 13 h die Anweisung gegeben das Werk herunterzufahren, was de facto einer Stillegung mit weitreichenden negativen Folgen gleichkommt. Er ist selbst noch um 14 h in die Firma gefahren, hat aber kein Interesse mehr am angekündigten Gespräch mit den Betriebsräten gehabt, das heute stattfinden hätte sollen. Er fährt nun offenbar im Affekt eine maximale negative Strategie. – Daraus werden sich nun diverse arbeitsrechtliche Fragen (abhängig von der Strategie, die Grupp da konkret verfolgen wird) ergeben.
Das Wesentliche ist aber, dass spätestens in einigen Tagen das Werk komplett stillstehen wird. Als Anlass für den Start des Vernichtungswerks – und man muss das so bezeichnen – werden wahrscheinlich die hinaufgeschnellten Krankenstände herhalten, die offenbar durch demonstrative Ablehnung geforderter Zahlungen miverursacht sind. Faktum ist aber, dass das Werk nicht durch Krankenstände, sondern durch die Unternehmerweisung eingestellt wird. Also nicht Arbeitsverweigerung, sonder sozusagen Verweigerung der Unternehmerrolle führen zum Aus.
Es kann nun bei Stillstand des Werks zwar prinzipiell noch immer etwa ein Käufer gefunden werden, aber die Möglichkeit dafür ist noch geringer geworden, da ein neues Anfahren eines komplexen Chemiebetriebs sehr aufwendig ist und lange dauert.
Wir haben in der gestrigen Diskussion diese Variante, dass der Unternehmer nämlich selbst – entgegen seinen Ankündigungen, bis Jahresende noch weiter zu tun – das Werk sofort schließt, nicht in Betracht gezogen.
Ich glaube nun, dass „ziviler Ungehorsam“ solchen destruktiven Unternehmerweisungen gegenüber, die auf die Vernichtung des Werks ausgerichtet sind, gerechtfertigt wäre, aber angesichts der leider nur mehr beschränkten Aktivitätsbereitschaft in der Belegschaft und der (bedauerlichen) Flucht in den Krankenstand erscheint dies halt nicht gerade sehr einfach. Trotzdem möchte ich es zur Diskussion stellen, wenngleich eventuell mancher meinen könnte, ob ich bei Trost bin, und ich mir natürlich leicht rede. Aber wenn ein steinreicher Unternehmer mit dem Vermögen einer Dynastie im Hintergrund nicht mehr gewillt ist seine im bestehenden System ihm zugeordnete Rolle zu spielen, so ist es gerechtfertigt, zu fragen, ob die Beschäftigten nicht selbst dafür sorgen könnten, den Betrieb zu sichern….

2 Kommentare zu „Dramatische Wende bei Glanzstoff: Unternehmer verweigert Unternehmerrolle

  1. die einzige möglichkeit, die noch bleibt, wäre eine besetzung des werks durch die (verbliebenen) teile der belegschaft, wenn die belegschaft nur mehr "beschränkt aktivitätsbereit" ist, dann ist das leider einzig und allein auf die rolle der gewerkschaft und des betriebsrats zurückzuführen

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  2. Ich glaube, dass nun die Belegschaft so schnell wie möglich zusammen kommen muss.
    In der Glanzstoff arbeiten viele kluge Menschen. Auf einer Betriebsversammlung sollte ein Ausschuss von ArbeiterInnen und
    Angestellten bestimmt werden der die nächsten Schritte einleitet. Widerstand gegen das Vernichtungswerk ist auf jedenfall angebracht. Aber: Einen solchen Verteidigungskampf zu führen ist verdammt schwer! Eine viele stärkere Solidaritäsbewegung ist nötig!

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