Glanzstoff: Nach Flucht in Stilllegung lässt Unternehmer Beschäftigte im Unklaren

Der Kampf um den Erhalt der Produktion von Glanzstoff St. Pölten hat in den letzten zwei Monaten einige spektakuläre Wendungen genommen. Der derzeitige Stand ist, dass die Kündigungen für Ende des Jahres ausgesprochen worden sind, die Produktion aber – überraschend – ab 17. September herabgefahren wurde und ab 20.9 eingestellt ist, wobei momentan nicht klar ist, was bis Jahresende außer Reinigungen geschieht.
Aber der Kampf ist nicht zu Ende.

 Allerdings ist die Mobilisierungsfähigkeit nur mehr gering, da über ein Viertel der Beschäftigten im Krankenstand ist (durch die Inaktivität der Gewerkschaften scheint offenbar für die große Mehrheit keine solidarische Abwehrstrategie mehr sinnvoll; somit griffen aus der Enttäuschung heraus – leider – individuelle Einzelstrategien Platz). Es ist zu hoffen, dass durch die letzte Demo einigen Gewerkschaftsangestellten doch ein bisschen Mut gemacht wurde, und sie ihre Versprechen auf Aktivitäten noch einlösen.

Am 16.9. – einen Tag vor der Abstellweisung – fand bei Regen eine Demo vom Werk zum ÖGB in St. Pölten statt. Die Beteiligung hätte zwar größer als 50 TeilnehmerInnen sein können, aber es ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der Beschäftigten in der Schicht waren, schon über ein Viertel im Krankenstand, und der Regen auch seines dazu beitrug. Vor allem aber hatte das laufende Vertrösten von Seiten der Gewerkschaft den Glauben unterminiert, dass irgendetwas noch nützen würde. Leider musste die Demo gerade deswegen zum ÖGB gehen, da wir nicht sahen, dass sie die Gewerkschaft öffentlich auch nur irgendwie aktiv geworden wäre. Der Gewerkschaftssekretär meinte grundsätzlich richtig, dass wir zum Haus des Unternehmers (er hat diverse Häuser) gehen sollten. Er sicherte vor der Kundgebung auch zu mitzugehen, widerrief diese Zusage aber leider eine Stunde später.
Darüber und über die lange weitere Diskussion mit einem Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräten gibt es anderweitig Berichte, z. B: von der SLP http://www.slp.at/artikel+M5fc0e1da2e8.html (Noch vor der Betriebsstilllegung geschrieben) Auch die Medien haben berichtet. Doch am Tag nach der Demo haben sich die Ereignisse förmlich überschlagen.

 Der Eigentümer Dr. Cornelius Grupp gab – wie schon kurz beschrie ben um Mittag des 17. Sept. die Anweisung das Werk herunterzufahren, was de facto einer Stillegung mit weitreichenden negativen Folgen gleichkommt. Er fuhr dann selbst um 14 h um Mittag ins Werk (was er nur ganz selten tut). Wollte er sich überzeugen, dass sein Zerstörungswerk befolgt wurde? Er hatte am Vortag noch ein Gespräch mit den Betriebsräten angekündigt. Laut Aussagen eines Betriebsrates wurde dieses angekündigte Gespräch ohne Angaben von Gründen abgesagt. Er fuhr nun offenbar im Affekt eine maximale negative Strategie. Von einer Produktionseinstellung hätte jedenfalls laut Arbeitsverfassung der Betriebsrat länger vorher informiert werden müssen. Daraus könnten sich noch diverse arbeitsrechtliche Fragen, abhängig von der Strategie, die Grupp da konkret verfolgen wird, ergeben.
Eigentlich ungeheuerlich ist, dass der Kapitaleigner bis dato nun alle im unklaren lässt, wie es weiter geht.

Und ein laufendes Werk wäre eben leichter verkaufbar oder übernehmbar, und die hohen Kosten für das Anfahren würden erspart.
Es ist nicht auszuschließen, dass die Demonstration und die dabei erhobene Forderung auf Rückgabe des dem Unternehmer von der öffentlichen Hand geschenkten Werks, beim Kapitaleigner Panik ausgelöst hat, und er dieser allzu berechtigten Forderung durch sofortige Stillegung begegnen wollte.

Mein letzter Blogbeitrag bzw. ein Mail dazu, dass es bei einer solch destruktiven Unternehmerweisung, die quasi auf das Ende des Werks ausgerichtet ist, gerechtfertigt wäre, dass die Beschäftigten selbst dafür, den Betrieb zu sichern, hatte übrigens zur Folge, dass der Produktionsleiter einige Leute im Werk persönlich deswegen warnte, sie „sollte ja keinen Blödsinn machen“?.

So oder so wird die Zeit kommen, eine Bilanz und die Konsequenzen zu ziehen. Grundsätzlich kann der Betrieb noch immer weitergeführt werden, bzw. übernommen werden. Auch stillstehende Betriebe sind in der Vergangenheit noch weitergeführt worden.
Das wichtigste bis jetzt ist, dass hier auf sehr solidarische Weise ein Plattform von Arbeitern und sonstigen AktivistInnen zusammengefunden hat, von der sicher noch hören ist