Keine frohen Weihnachten für 200 Beschäftigte bei Ergee in Schrems

Die Partei der Macht in NÖ hatte vor der Wahl groß verkündet, dass sie „um jeden Arbeitsplatz kämpfen“ wird. Bei Glanzstoff hat sie das nachweislich überhaupt nicht gemacht. Jetzt wir sogar in der Heimatstadt unseres Wirtschaftslandesrates reiner Wein eingeschenkt. Für Großbanken mit Riesengewinnen sind innerhalb Tagen Milliarden da. Für andere auch?

Wie den heutigen und gestrigen Medien zu ennehmen ist, dürfte es für 200 Beschäftigte bei Ergee in Schrems im Waldviertel keine frohen Weihnachten geben. Ab Montag übernimmt der Masseverwalter das Kommando. Es beseht zwar noch ein kleine Hoffnung; die Lage ist allerdings im Vergleich zu Glanzstoff noch schwieriger: Der Betrieb hat schon seit Jahren wirtschaftliche Probleme und die Organisation ist offenbar schon länger nicht besonders ausgeklügelt. Dazu kommt, dass die Ergee-Beschäftigen im Waldviertel überhaupt nur minimale Chancen für eine andere Arbeit haben.

Ich habe zuvor mit Sonja Klinger, der ArbeiterInnen-Betriebsratsobfrau gesprochen; und sie hat die Darstellung in den Medien und insbesondere von Wirtschaftslandesrat Landeshauptmannstellvertreter Gabmann, der aus Schrems kommt,nicht bestätigt, dass das Unternehmen jetzt wegen der Finanzkrise keine Chancen mehr hätte. Vielmehr sei das Unternehmen von Politikern noch über die Landtagswahlen im Frühjahr und über die Nationalratswahlen im Herbst vertröstet worden, und jetzt seien keine Wahlen mehr. Die Lage ist auch deshalb kompliziert, weil das „Mutter“Unternehmen in Deutschland auch in Konkurs ist, und nicht einmal klar ist, wem der Betrieb im Moment gehört. Positiv ist immerhin, dass die verbleibende Geschäftsführung bemüht ist, und eine konstruktive Lösung sucht. Der Betriebsrat war in den letzten Monaten vor allem damit beschäftigt, darauf zu schauen, dass die Beschäftigten überhaupt ausstehende Lohnzahlungen noch bekommen.
Eine Möglichkeit bestünde immerhin darin, dass von Seiten der Öffentlichen Hand Geld für eine Auffanggesellschaft in die Hand genommen wird, und der Betrieb maßgeblich selbstverwaltet in etwas kleinerer Dimension in den Bereichen weitergeführt wird, wo am Markt bessere Chancen bestehen. Zu klären wäre da vor allem das Verhältnis zu den „Geschwister“betrieben in Tschechien und anderen Ländern, die offiziell als ungefährdet dargestellt werden, die real aber wahrscheinlich ohne Schrems auch gefährdet sind.

Bleibt noch die Frage, ob Landes-Millionen schnell und leicht rollen, wenn Verwandte des Landesrates wie im Fall Leonardo im Spiel sind?