Zum Gedenken an Walter Samwald – Ein Lieber Augustin lebt weiter

Walter starb im Sommer in Purkersdorf; hier eine späte Würdigung:
Trotz Hypotheken lebt ein Lieber Augustin lebt weiter. Walter Samwald erlebte bzw. überlebte auch Dramatisches. Zufällig wurde er 1945 in einem Leichenhaufen gefunden.

1939 geboren überlebte Walter 1945 in der Mindersiedlung in einer Familie fanatisierter Hitleranhänger den unfassbaren Mord, Selbstmord und in seinem Fall Mordversuch, weil Eltern das Ende des Nazi-Regimes glaubten nicht ertragen zu können. Fast wie der liebe Augustin wurde er von einem sowjetischen Soldaten noch lebend in einem „Haufen“ von Leichen entdeckt und gerettet. Dadurch und von da an lebte er aber auch irgendwie in einer anderen Welt, die schwer erschließbar erschien. Ein „Mensch mit besonderen Bedürfnissen“ und auch mit besonderen Fähigkeiten. Man hatte den Eindruck, er konnte sich „Schlechtes“ nicht vorstellen. Er dachte nur positiv. Auch irgendwie wie der liebe Augustin (Walter war aber kein Trinker), den nichts erschüttern konnte. Er konnte auch schwer oder gar nicht erkennen, dass es auch Leute gab, die nicht nur Gutes mit anderen im Sinn hatten. Als einziger Überlebender hatte er gegen die Widrigkeiten des Lebens auch keine familiäre Unterstützung.

Er wurde nicht selten von manchen Leuten ausgenützt, ohne dass er es wahrscheinlich merkte. Wenn ihm Händler Diverses einreden konnten, was er überhaupt nicht brauchte, so war das zumindest nur einmalig. Einem umtriebigen Herrn wurde von der damaligen Vizebürgermeisterin ein Auftrag für einmalige Gartenpflege um die 100.000,- Schilling im Garten Walters vermittelt, die aber Walter letztlich selbst bezahlen sollte. (Dieser Herr wurde inzwischen übrigens wegen Mordes verurteilt, das hat damit allerdings nichts zu tun).

Ans Eingemachte ging es vor ca. zehn Jahren. Offenbar auch eingefädelt über die damalige Bürgermeisterin konnte ein Herr G., er war eine Art Rasputin, die damalige graue Eminenz der Partei der Macht, mit Walter einen „Vertrag“ abschließen, der ihn fast um sein Knusperhäuschen und seinen Grund und damit um seine Existenz gebracht hätte. Herr G. hatte sich schon im kleinen Häuschen angemeldet. Im Nu waren zahlreichen Hypotheken am Grundstück. Vor allem dank des selbstlosen Auftretens einer beherzten Nachbarin konnte aber in langen Verhandlungen und mühsamen Anstrengungen dieser „Vertrag“ weitgehend rückabgewickelt. So konnte Walters Zuhause wieder gesichert werden. Und er konnte fast noch 10 Jahre in seiner Welt leben.

Eine große Hypothek des Herrn G. ist noch immer auf dem Grundstück eingetragen. Mit ihr sind weitschichtige Erben beschäftigt. Darüber hinaus ist eine andere Hypothek auf den allgemeinen Anstand noch immer nicht getilgt: Es hat sich bis heute von der Partei der Macht nie jemand dafür entschuldigt, was ihm von früheren GemeindevertreterInnen angetan worden ist bzw. versucht wurde. Das Lebensende wäre dazu eine Möglichkeit gewesen.

Sein Lebensende war nicht untypisch. Er musste insbesondere wegen seines chronischen Fußleidens ins Spital. Während dieses Aufenthalts im Spital wurde ihm in seinem Haus der Strom abgeschaltet. Da er daher nicht zurück konnte, kam er danach in ein Heim. Während sich der (neue) Sachwalter noch um den Strom bemühte, ging es plötzlich im Heim steil bergab mit Walter?.
Möge sein Leben auch den Sinn gehabt haben, dass ähnliche Erlebnisse anderen erspart werden können. So lebt Walter weiter, wie auch der liebe Augustin.
Als Purkersdorfer Gemeindearbeiter, Linienrichter am Fußballplatz und Rollerfahrer bei Wind und Wetter wird er noch manchen in Erinnerung bleiben.

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