Land der Berge – Land der Toleranz

Bekenne, dass ich Albanien nicht nur nicht gekannt habe, sondern dass ich auch falsche Vorstellungen gehabt habe. Viel versteh ich aber einfach auch (noch) nicht, etwa wie hier Wirtschaft funktioniert.

Albanien leitet seinen Namen wahrscheinlich vom illyrischen „alb“ ab, das Berg bedeutet, und so wahrscheinlich eine gemeinsame Sprachwurzel mit „Alpen“ hat. Albanien ist tatsächlich ein Land der Berge; und ein Land der Bauern (mehr als 50 %), sehr vieler Bergbauern. Während um Tirana doch auch sichtbarer Wohlstand anzutreffen ist, ist die Lage der Bevölkerung am Land und in den Bergen ziemlich bescheiden: kein Wunder, dass mehr als ein Viertel der Leute gerne ins Ausland gehen würden.
Aber wieder zum Positiven. In Tirana gibt sehr viele Lokale, und man bekommt überall gute und preiswerte Speisen, und das obwohl – oder auch weil ? – es fast keinen Tourismus gibt?
Aber wichtiger: es ist ein Land der Toleranz, nicht nur religiöser, sondern überhaupt; wie ich gelernt habe, kommt das aus der Geschichte: keine Gruppe (Katholiken, Orthodoxe, Moslems..) dominierte oder konnte dominierten, und die Gemeinsamkeiten im Widerstand gegen Eroberer – betont durch Leute wie Skanderbeg im ausgehenden Mittelalter – waren wichtiger.
Dieser jahrhundertelange Widerstand – etwas begünstigt durch unzugängliche Bergregionen ist einfach beeindruckend.
Viel versteh ich nicht: Wie hier etwa die Wirtschaft funktioniert, ist mir noch schleierhaft. Die Geschäfte und kleinen Betriebe können kaum große Einkommen bringen. Exportiert wird nicht allzu viel. Importiert aber sehr viel mehr. Dieses Handelsbilanzdefizit wird vor allem durch Überweisungen von Arbeitsemigranten ausgeglichen, aber irgendwie ist das doch ein Rätsel. Ein Rätsel ist auch, dass die Wirtschaft hier durch die Krise (noch) kaum betroffen ist. Irgendwie hängt das wahrscheinlich damit zusammen, dass – außer dass kaum eine Exportabhängigkeit besteht – ein großer Teil der Wirtschaft „informell“ ist, dass heißt jenseits der Erfassung, und auch jenseits der Steuer; wie der Staat sich da genau finanziert, ist mir auch noch nicht ganz klar.
Und irgendwie ist alles schwer zu analysieren, weil es kaum Daten gibt – damit kämpfe ich auch projektmäßig. Irgendwie dürfte da auch – wie mir ein deutscher Experte heute gesagt hat – mit der Geschichte zusammenhängen. Die Eroberer und Besatzer wollten alles zählen und erfassen – um Abgaben zu erheben und auch Leute, vor allem Junge fürs Militär zu requirieren; und genau wollten die AlbanerInnen eben nicht?.