Stoppt die Posträuber! – In Untertullnerbach und anderswo

Das Postamt Untertullnerbach 3011 ist eines der etwa 300 Postämter in Österreich, die nun nach dem ersten großen Kahlschlag von Postinfrastruktur in einer zweiten Welle der Liberalisierung und Privatisierung geopfert werden sollen.

Das Postamt Untertullnerbach ist erst vor einigen Jahren komplett neu gebautworden, und offenbar gut frequentiert, da verkehrsmäßig günstig gelegen. Die Post Untertullnerbach wird von vielen in Neupurkersdorf genützt und dient auch als Hinterlegungsort für Neupurkersdorf . Eine Sperre hätte daher deutliche Auswirkungen für Purkersdorfer BürgerInnen. Noch vor nicht langer Zeit wurde es komplett neu gebaut, und offenbar gut frequentiert, da verkehrsmäßig günstig gelegen. Am Postamt selbst sind auch keine Kalkulationen bekannt, nach denen dieses Postamt defizitär wäre. Jedenfalls wäre diese Schließung erneut ein Schlag gegen die Infrastruktur im Raum Neupurkersdorf/Untertullnerbach. Der Plan „Postpartner“ zu finden würde in Wirklichkeit keinen vollwertigen Ersatz bilden; das zeigen Beispiele von der letzten Schließungswelle.

Der Kahlschlag bei den Postämtern im Interesse der Profitmaximierung für die Aktionäre im Sinne der Privatisierung war vor Weihnachten angekündigt worden, die Gewerkschaft zeigte Streikbereitschaft. Bundeskanzler Faymann wiegelte ab; der Plan der Post war nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Die nun gleichzeitig mit den Schließungen angekündigte Sonderdividende der Post von 90 Millionen Euro an die Aktionäre ist eine besondere Unverschämtheit gegenüber MitarbeiterInnen, die um ihre Arbeitsplätze fürchten und zeigt, dass flächendeckende Filialschließungen wirtschaftlich nicht notwendig sind. Die ausbezahlten Dividenden der Post in den letzten drei Jahren waren übrigens 15 Mal so hoch als die Summe der angeblichen Defizite der jetzt zur Schließung anstehenden Postämter.
Vor allem bei einem Infrastrukturunternehmen sollte Versorgungssicherung vor Geldgier gestellt werden. Der Hintergrund ist die von der EU durchgesetzte Privatisierung und Liberalisierung der Postdienste. Genau diese Privatisierungen und Liberalisierungen hat im Finanzwesen zu einem weltweiten Debakel geführt und sollte daher auch im Postwesen rückgängig gemacht werden.
Dass die Schließungen übrigens kein Naturgesetz sind, zeigt sich in Wien. Dort wurden alle Schließungspläne zurückgestellt; sicher wegen der Wahlen, aber immerhin.