Climate shame in Flopenhagen – 1

Noch ist die große Konferenz nicht ganz zu Ende, aber das abersehbare Ergebnis übertrifft die schlimmsten Erwartungen.

Jahrelang haben auf diversen Vorkonferenzen tausende und jetzt in Kopenhagen zehntausende VertreterInnen von Staaten und Organisationen verhandelt und herausgekommen ist jetzt in dieser für die Menschheit existenziellen Frage praktisch fast nichts. Positiv gedacht ist das Bekenntnis dazu, dass die Erwärmung nicht mehr als 2 Grad erreichen sollen, immerhin was; aber das ist, wie wenn ein Ärztekonsilium am Bette eines schwer gefährdeten Patienten steht und stolz verkündet, man habe die Rettung beschlossen; aber es werden keine Maßnahmen gesetzt.
Entzaubert steht auch Obama da, denn es ist offensichtlich, dass er nicht über die Interessen der diversen Lobbies hinausgehen kann oder will. Immerhin hat er aber vor seinem Rückflug zumindest vor aller Welt direkt eingestanden, dass er von den 400 Millionen Indern, die keine Elektrizität haben, nicht viel fordern kann.
Warum dieser Flop? Es geht vordergründig um Auseinandersetzungen um Fristen, Kontrollen und Finanzierungen. Im Detail ist das alles nicht so einfach nachvollziehbar. Doch die dahinterliegenden Gründe sind einfach:

Der allgemeinste Grund für das Scheitern

Der allgemeinste Grund für das Scheitern ist – wie zuletzt schon beschrieben – dass die westlichen Regierungen nicht einsehen oder anerkennen, dass jeder Mensch auf der Welt die gleichen („Verschmutzungs“)Rechte haben sollte. Wenn grundsätzlich das derzeitige extrem unterschiedliche Verschmutzungsverhalten einfach als gegeben genommen wird, aber alle Länder reduzieren sollen, großzügigerweise die Industrieländer etwas mehr, so wird dabei ausgeblendet, dass eben ein Inder/eine InderIn im Schnitt etwa nur 1/20 an Umweltschadstoffe produziert als ein/e Amerikanerin. Wenn die USA anbieten, im Vergleich zu 1990 um 5 % (bis 2020!) zu reduzieren, was sollen bitte die Inder anbieten? Das völlig unterschiedliche Niveau wird dabei kaum geändert, ja scheint gar nicht auf. Dabei sind es genau diese Riesenunterschiede, die die Entwicklungs- bzw. Schwellenländer dazu bringen, nicht einfach auf die Entwicklung auf die sonst so gelobten Vorbilder hin einfach verzichten zu wollen.
Dazu kommt verschärfend, dass die Entwicklungsländer zwar jetzt bei der Verschmutzung aufholen, aber bei der geschichtlichen Zusammenrechnung aller bisherigen Abgaben an Treibhausgase noch sehr wenig am „Verschnutzungskonto“ haben. Und diese geschichtliche Betrachtung ist durchaus angemessen, weil CO2 ca. 120 Jahren in der Luft bleibt, und die langfristige Wirkung genau das Problem ist.
Dazu kommt weiter, dass sowohl in Industrieländern wie Entwicklungsländer die Beiträge von Arm und Reich zur Verschmutzung auch jeweils in der Größenordnung zwischen 1 und 5 liegen (doch dazu später einmal genauer).

Im übrigen, Herr Barroso bräuchte nicht enttäuscht zu sein. Niemand hindert(e) die EU oder einzelne Länder voranzugehen. Im Gegenteil; genau weil die Industrieländer kein wirkliches Beispiel für Reduktionen (selbst von hohem Niveau aus) abgeben, sehen die Entwicklungsländer nicht ein, warum sie von einem niedrigem Niveau aus reduzieren sollen.