Eine Jugenderinnerung an einen Graf-Mann (?FP-Parteianwalt?)

Als ich jüngst den Namen Michael Witt gelesen habe, da hat es Klick gemacht und es ist mir wieder eine Geschichte ins Bewusstsein gekommen, die ich mit dem „FP-Parteianwalt“ vor vielen Jahren hatte.

Zur Erinnerung: Die Meldung war, dass ein Herr Witt wie Herr Graf, der der noch 3. Nationalratspräsdident ist, den Vorstand der inzwischen weithin bekannten „Gertrud Meschar Privatstiftung“ verlassen wird. Gleichzeitig wird Michael Witt „FP-Parteianwalt“ bezeichnet.

Also im folgenden eine kleine Geschichte, die sich Mitte der 70er Jahre zugetragen hat. Wenn jemand meint, dies wäre eine Folge „aus meinem Heldenleben“ sei es drum; es waren dabei etliche Leute dabei, die heute prominente Funktionen haben.

Es war gerade eine Hörerversammlung der Volkswirte im Hauptgebäude der Wiener Uni im Hörsaal 28 (heute würde es heißen HörerInnenversammlung). Da platzte jemand aufgeregt mit der Nachricht hinein, dass am Haupteingang die „Aktion Neuer Rechte“ (ANR) offen neonazistische Flugblätter verteile. Dies war damals neu ungewöhnlich. Die Empörung war groß, und so wurde die Versammlung unterbrochen, und ca. 25 Studenten (an -innen kann ich mich dabei nicht erinnern) begaben sich geschlossen zum Haupteingang, um das einmal anzusehen. Und es war provokativ, da ja eine solche Propaganda nach der Verfassung eigentlich nicht erlaubt war. Schnell ergaben sich Wortgefechte und dann Rempeleien, ein Neonazitransparent wurde abmontiert, von einem heutigen Nationalratsabgeordneten.

Sehr tapfer waren die Neonazis nicht. Andererseits waren die Kräfteverhältnisse relativ klar, sie waren drei, darunter eben Michael Witt. Sie waren aber auch perplex und überrumpelt.

Ich beteiligte mich nicht an den Rempeleien, sondern versuchte nachhaltig zu handeln. Ich nahm die Kiste mit dem Propagandamaterial, an die 1500 Flugblätter und ging schnell von dannen. Wohin, aufs Klo der Fakultät. Die Uni sparte nämlich schon damals, das Klopapier wurde gestrichen. Ich dachte, hier erfüllt das Neonazi-Propagandmaterial seinen Zweck; die Ansprüche an Klopapier waren damals auch noch nicht so entwickelt.

Nach getaner Arbeit ging ich zurück in die Versammlung, die fortgesetzt wurde. Doch dann kam zwei der ANR-Leute, ich glaube es war Michael Witt dabei , begleitet von zwei Funkstreife-Polizisten, und einer deutete auf mich: Ich hätte einen Diebstahl begangen. Die Polizisten kamen auf mich zu, und wollten, dass ich mit ihnen mitkomme. In meinem Bewusstsein hatte ich natürlich keinen Diebstahl begangen, ich hatte ja nur Material einem sinnvollen Verwendungszweck zugeführt ( auch den „Recycling“-Gedanken gab es damals noch nicht richtig).

Und da geschah etwas, was mich noch lange prägte. Die Kolleginnen stellten sich vor und um mich und redeten sehr intensiv auf die Polizisten ein, sich nicht zum Handlanger von Neonazis machen zu lassen. Besonders ist mir Dalia M. in Erinnerung, sie ist heute Univ. Professorin München: Sie brachte die Polizisten durch Argumente, durch Resolutheit und ein bißchen wahrscheinlich auch durch ihr vorteilhaftes Aussehen völlig durcheinander, sodass diese schließlich unverrichteter Dinge, und im Zweifel, dass ich wirklich ein Dieb sei, die Störung der Hörerversammlung beendeten.

Ich zog es dann vor die Uni zu verlassen, eventuell war das nicht heldenhaft. Aber es war gut so, denn die ANRler wurden immer tapferer, nachdem sie Verstärkung geholt hatten. Später erfuhr ich, dass sie einen Studenten ziemlich verdroschen hatten, der ähnlich wie ich aussah. Der hatte damit nach seinen Aussagen ein politisches AHA-Erlebnis – und wurde später linker Schriftsteller.

Meine wichtigste Erkenntnis davon war, dass man sich – zusammen in einer größeren Gruppe – gegen Dummheit und auch gegen eine missbrauchte Polizei erfolgreich und ohne Gewalt wehren kann, wenn ein größerer Kreis von Menschen klar motiviert ist.

Nach so vielen Jahren lese ich wieder von Herrn Witt. Sicher, jedeR hat in früheren Jahren manches gemacht, das er/sie heute andres machen würde. Ich weiß nicht wirklich, was er jetzt macht, aber eines ist klar, die Ganz Rechten haben sich eine beträchtliche Zustimmung erarbeitet, sie sind heute nicht mehr isoliert, ja sie können sich solche Sache wie dies berühmte Stiftung leisten. Ich denke, es gilt die Sache wieder umzudrehen.