Bericht aus Rio: Wenig Erfreuliches und Ermutigendes

Zunächst einmal: Rio wird – wie es ist – nicht die Stadt meiner Träume werden. Direkt vor dem Fenster einer sehr billigen Unterkunft gibt es eine Stadtautobahn mit ca. 16 Fahrbahnen, und entsprechendem Lärm usw.

Der Verkehr hier ist sicher um etliches mehr als auf der Südosttagente. Dabei wäre die Lage am Strand von Botafogo ohne Autohölle ganz schön.
Der Einstieg war nicht optimal- klassisch einen astronomischen Betrag fürs Taxi bezahlt. Offenbar wurden nicht nur die Hotelpreise ziemlich hinaufgesetzt, sondern die Taxis haben sich zumindest am Flughafen koordiniert. Das Hotelzimmer im Hotel, wo meine Konferenz stattfand, hätte 250 EUR (pro Tag) gekostet, und es ist alles angeblich voll. Daher eine Minimallösung auf eine Art, wie ich sie noch nie machte, absolut anstrengend.
Im sündteuren Konferenzhotel gibt es aber kein WLAN.
Das Taxi vom Flughafen war auch deswegen notwendig, weil es keinen akzeptablen öffentlichen Verkehr dorthin gibt. Insgesamt gibt es ein kleines U-Bahnnetz, in Brasilien gibt es aber auch sehr wenig Eisenbahnen, wusste ich nicht.
Als ich im Zentrum fotografiere, sagt mir ein junger Mann, es sei besser allein nicht den Fotoapparat zu zeigen. Irgendwie kein besonders gutes Gefühl laufend. Auch beim ersten Geldwechseln bemerke ich nachher, das ich extrem übervorteilt wurde.
Was mich aber – um mit dem weniger Erfreulichen aufzuhören – am meisten schockiert (obwohl es ja eh bekannt ist), ist der gewaltige Bodenverbrauch jenseits der Zentren, die gewaltige Ausdehnung, quasi ohne beonders erkennbare Planung, und natürlich die gigantischen soziale Unterschiede, die allein schon von den Häusern bzw. Behausungen ableitbar sind.

Allerings ist es – wie mir gesagt wird – besser geworden. Die Anti-Armuts-Programme greifen, soziale Infrastruktur in den Favelas wurde ausgebaut, im Zentrum ist sogar geplant, eine Stadtautbahn abzureissen.
Immerhin habe in Rio die Kriminalität durch besondere Maßnahmen um 35 % abgenommen.
Die Vielfalt aller Sachen von der Landschaft angefangen ist sicher beeindruckend, das Klima ist allerdings meine Sache nicht; obwohl derzeit Winterbeginn ist…

Im Positiven unvergesslich sind die vielen Bewegungen und Initiativen, die am Gipfel der Völker zum Ausdruck kommen. Am meisten hat mich Marina Silva bei einer Kundgebung beeindruckt. Sie trat als Umweltministerin aus Protest gegen den Vormarsch der Abholzungslobby zurück, ist sehr bekannt und erreichte immerhin bei den Präsidentschaftswahlen um die 20%, was in einem Land mit einer konservativen Medienszene sehr beachtlich ist. Sie sprach sehr beeindruckend in einer deutlichen und mitreissenden Art.
Ich habe sie in einem Blogbeitrag anlässlich ihrer Ablöse schon früher als Lichtgestalt bezeichnet, ohne dass ich sie gesehen hatte. Jetzt bin ich noch mehr beeindruckt. Solange es Menschen wie sie gibt, und viele, die mir ihr gehen, besteht begründete Hoffnung auf eine Wende.