Der Krieg als Triebfeder des Fortschritts!?

Ö1 stellte am 5.12.2013 in der Sendung „Kontext- Sachbücher und Themen ein ziemlich arges Buch im Schafsgewand leider fast völlig unkritisch vor: Der Titel „Krieg: Wozu er gut ist“ suggeriert schon einiges.

Der Autor Ian Morris, ein US-Professor hat schon in einem früheren Buch „Wer regiert die Welt?: Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden„, das wesentlich China gewidmet ist, eher zur Ablenkung der wirklichen Herrschaftsmechanismen beigetragen. Dieses Buch ist nun auf sehr subtile Weise der Rechtfertigung eines Militarismus im weiteren Sinn für die gesamte Menschheitsgeschichte gewidmet. Gerade weil sich die Rechtfertigung des Militarismus auf dem ersten Blick wissenschaftlich oder (oberflächlich) reflektiert daherkommt, hat es offenbar auch einen Ö1-Rezensenten beeindruckt: DER KRIEG IST EINE TRIEBFEDER DES FORTSCHRITTS, ist die zentrale These, die angeblich statistisch nachgewiesen wird. Bumm! Das wäre vor dem 100. Jahrestag des Beginn des Ersten Weltkriegs ein Fall für Karl Kraus. In der Sache kommt nicht wirklich Neues: uralte Hobbes-Thesen, dass der „natürlichen Gewalt“ begegnet werden muss; die für US-Professoren typische Bewunderung der imperialen Züge des Römischen Reiches usw. Das alles wird einfach in einer ORF-Sendung als phänomenale neue wissenschaftliche Erkenntnis dargestellt. Nur zum Schluss der Vorstellung hieß es, dass die Schlussfolgerung im Buch der aktuell positiven Funktion der USA als alleiniger Weltpolizist doch nicht ausreichend empirisch abgesichert sei. Das legt nur nahe, dass alles paletti wäre, wenn es einen Co-Sheriff (eventuell die EU?) gäbe. Man muss kein Pazifist sein, um das Buch als vordergründige Interessensrechtfertigung zu erkennen: Gerade als Befürworter defensiver Militärstrukturen ist sowas ein Graus: Ich finde es jedenfalls zumindest für einen groben Lapsus, dass in Ö1 so eine undifferenzierte Buchvorstellung durchgeht.