?Tsunami? in Bosnien ? der Verzweiflungsaufstand berührt sehr

Es gibt gerade einen unbefristeten Streik bei KBA in NÖ oder neue Aktionen zur Abwehr der Bahn-„Taliban“ in NÖ (Ybbstaler und Thayataler werden in Wien demonstrieren: Habe aber gerade Berichte und Videos zu aktuellen Ereignissen in Bosnien gesehen auch weil ich vor einiger Zeit projektmäßig genau in Betrieben in Tuzla und Zenica war…

Es gibt gerade einen unbefristeten Streik bei KBA in NÖ (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140206_OTS0157/aknoe-praesident-wieser-volle-solidaritaet-mit-streikender-kba-belegschaft

 oder neue Aktionen zur Abwehr der Bahn-„Taliban“ in NÖ (Ybbstaler und Thayataler werden in Wien demonstrieren: https://www.facebook.com/groups/verkehrsforumw4/permalink/671022056293584/

Das wollte ich kommentieren. Habe aber gerade Berichte und Videos zu aktuellen Ereignissen in Bosnien gesehen, die mich nicht kalt lassen, auch weil ich vor einiger Zeit projektmäßig genau in Betrieben in Tuzla und Zenica war, wo die Protest so weit gediehen sind, dass die Regionalregierungen zurückgetreten sind.

Ich hab mich dort immer gefragt, warum sich die Leute so viel gefallen lassen, und jetzt hat es offenbar einfach gereicht. Die Wut richtet sich gegen die Regierenden auf der regionalen Ebene, und das ist sicher nicht unberechtigt. Der Auslöser waren Entlassungen infolge von Privatisierungen und monatelang unbezahlte Löhne. Nachzulesen im „Kurier“:

„Die geplante Privatisierung von vier Fabriken und die damit verbundenen mögliche Entlassung von 10.000 Arbeitern hatten die Proteste in Tuzla ausgelöst. Mehrere Privatisierungen von staatlichen Firmen und Fabriken hatten schon in der Vergangenheit zu deren Schließungen geführt. Für die Männer und Frauen, die in Tuzla auf der Straße sind, ist klar: Die Verkäufe haben einer ohnehin schon reichen Elite in die Hände gespielt. ?Die Privatisierungen waren nur der Auslöser für Proteste, die auf eine viel breitere soziale Unsicherheit hindeuten‘, sagt Florian Bieber, Südosteuropaexperte der Uni Graz, zum KURIER. Und deutet auf die Arbeitslosigkeit hin, die mit 27,5 Prozent so hoch wie in keinem anderen Balkanstaat ist. Dazu kommt, dass in Tuzla die Sozialdemokraten an der Macht sind, von denen man sich eigentlich erhoffen würde, dass sie auf Arbeitnehmer Rücksicht nehmen würden“

http://kurier.at/politik/ausland/tuzlabosnien-demonstranten-stuermen-mehrere-regierungsgebaeude/50.177.189

Dabei ist aber zu bedenken, dass genau diese Politik von den neoliberal geprägten Institutionen der EU, der Weltbank usw. vorgegeben wird. Bei den diversen Bauten und EU-Programmen kassieren dann gewisse Leute ordentlich ab, und das sind auch „unsere“, z. B. die STRABAG beim Autobahnbau

Was mich betroffen macht, ist, dass die Bilder einen unkoordinierten Verzweiflungsaufstand zeigen, Anzünden von Regierungsgebäuden und dergleichen, und inzwischen hunderte Verletzte. In den Betrieben wurde Prozesse wie die Koksgewinnung in Lukavac eingestellt, wodurch ein hoher wirtschaftlicher Schaden verursacht wird, weil das Hochfahren viele Monate dauert.

Das Ganze ging von Tuzla aus, das ist die Stadt, in der die Leute in den 90er Jahren am längsten den nationalistischen Sirenengesängen widerstanden, und wo es durch die vielen Fabriken und Minen eine lange Tradition der Solidarität gibt. Ich hab die Leute dort, ebenso wie in Zenica, jetzt einem zweiten Pol mit einem großen Stahlwerk nur in guter Erinnerung. Trotz über 50 % Jugendarbeitslosigkeit hatte ich wenig Verbitterung gesehen. Wenn diese Leute nun Gebäude stürmen, dann muss die Lage wirklich unerträglich geworden sein.

Medien reden vom „Bosnischen Frühling“, ich sehe natürlich auch immer Hoffnung; es könnte sein, dass nun die Blockaden und Machtspielen in und um Bosnien von unten überwunden werden.

Faktum ist, dass soziale Aufstände nun jedenfalls näher an Österreich heranrücken, was immer das bedeuten mag?