Ein spannender ?Heimatroman? zog mich in Bann

Vor einigen Tagen erschien „Jakob Mustafa – Das Vermächtnis des Chronisten“ – ein „Historischer Roman“ von Fritz Schindlecker: er handelt ab dem Jahr 1684, und der Handlungsort ist das Tullnerfeld. Und das „Schürfen“ in meiner früheren Heimat führte zu äusserst Wertvollem…

Auf Amazon (wofür ich absolut keinerlei Werbung machen möchte) erfahre ich im Nachhinein, dass Josef Hader geschrieben hat: „Ein Roman als gelungenes Infotainment: Man liest ihn gern in einem Zug durch, und erfährt dabei ganz nebenbei viel über eine Zeit, von der wir eindeutig zu wenig wissen“.

Dem schließe ich mich mit folgenden Begründungen an: erstens ist es einfach spannend geschrieben, mit steigender Dramatik zum Schluss hin, auch mit einem nicht absehbaren Schluss. Als Roman-Literatur-Laie denke ich mir auch, dass daraus auch ein guter Film werden könnte? 2. Kommt der feine Humor, der mir von Fritz schon aus Schulzeiten wohlbekannt ist, wahrlich nicht zu kurz. 3. gibt das Buch Einsichten in irrationales Verhalten, das offenbar in gewandelten Formen auch heute noch existiert, wobei ja gerade die Beziehung zu TürkInnen bzw. zum Islam eine neue Aktualität erhalten hat. Allerdings zeigt es auch jeweils unterschiedliche Handlungsoptionen auf, und dass es immer auch Leute gibt, die zukunftsfähig handeln. 4. Ist es eben geschichtlich bzw. von der historischen Alltagskultur interessant – wobei ich zugegebenermaßen durchaus manchmal das Gefühl hatte, nicht unglücklich zu sein, heute zu leben. 5. Als früherer Tullnerfelder ist es natürlich ein besonderes Gefühl die beschriebenen Orte irgendwie zu kennen. Ich stellte mir bei der Lektüre immer wieder die Frage, was Fiktion und was doch real ist oder sein könnte. Ich stell mir etwa auch die Frage, ob die Leute wirklich so viel Alkohol getrunken haben, wie beschrieben wird. Jedenfalls werde ich in Zukunft immer, wenn ich an der Au zwischen Tulln und Langenlebarn – als Hauptgeschehensort der Handlung – im Zug vorbeifahre oder trainingsmäßig laufe, an dieses Buch denken müssen. 6. Speziell war es für mich persönlich etwa eine ganz neue Erkenntnis, dass Pixendorf, der Ort, aus dem ich herkomme, eine Zeitlang ein Hort des aufmüpfigen Protestantismus gewesen war. Wobei im Buch die realen Namen etwas verfremdet werden, aber trotzdem erkennbar sind. So heißt Tulln – grenzgenial – „Tollen“ (dazu sieh unter 2).

Ich muss noch erwähnen, dass ich nur alle paar Jahre einen Roman lese, und wahrscheinlich das Buch nicht begonnen hätte zu lesen, wenn ich den Autor nicht kennen würde. Ich bin also keine Experte für (historische) Romane. Trotzdem oder gerade deshalb hat mich dieser spannende „Heimatroman“ in Bann gezogen.

http://www.haymonverlag.at/page.cfm?vpath=buecher/buch&titnr=958