Ansturm bei Volksuni Andreas Schremser

Die „Volksuni Andreas Schremser“ (benannt nach dem gewählten Anführer des großen Waldviertler Bauernaufstands) am 1. und 2. August in Waidhofen/T. fand aus nah und fern sehr großes Echo. Das Verkehrsforum Waldviertel knüpft damit an den großen Erfolg des Auftritts von Roland Düringer in Groß Siegharts an.

Das Motto „Waldviertel: Woher? Wohin? Wirtschaft – Wohlstand – Wissen“ deutete an, dass es nicht nur um Verkehrslösungen geht, sondern vor allem um die Entwicklung des Waldviertels insgesamt. Bei der Auftaktveranstaltung mit dem Top-Verkehrsexperten Univ. Prof. Hermann Knoflacher – „Vom Rand ins Zentrum: eine neue Verkehrspolitik für das Waldviertel“ – platzte der Saal der Sparkasse Waidhofen,- die ein großzügiger Gastgeber war -, bei über 100 Teilnehmerinnen aus allen Nähten. Prof. Knoflacher merkte an, dass ihn der überfüllte Saal daran erinnere, wie er 1986 nach Südtirol zu einem Vortrag eingeladen wurde, als dort die Vintschgaubahn eingestellt wurde, und ein Radweg auf der Bahn gebaut werden sollte. Dies leitete schließlich einen Umkehrprozess ein, sodass spät, aber doch 2005 diese Bahn nach einem Umdenken der Bürgermeister und des Landes reaktiviert wurde, und in kurzer Zeit nicht nur ein europaweites Erfolgsmodell wurde, sondern auch bewirkte, dass Südtirol insgesamt heute einen vorbildlichen öffentlichen Verkehr fast wie die Schweiz hat. Mit Prof. Knoflacher gab es am Samstag eine Arbeitsgruppe zur Finanzierung des Verkehrs. DI Harald Frey (TU Wien) referierte zu „Verkehr – Barrieren, treibende Kräfte und praktische Lösungen für dünner besiedelte Gebiete“ und arbeitsgruppenmäßig wurden mit ihm Details zur Attraktivierung der Franz-Josefsbahn erörtert.

 Univ. Prof. Andrea Komlosy (Uni Wien) fasste ihre Bücher zur Geschichte des Waldviertels prägnant zusammen: „Wie das Waldviertel an den Rand gedrängt wurde und wird“, zeigte den schon Jahrhunderte andauernden Wertetransfer aus dem Waldviertel auf, und gab so einen Rahmen für das „Woher“. Der Waidhofner Univ. Prof. Christian Fuchs von der Westminster University in London umriss mit seinem Vortrag „Internet, Kapitalismus und periphere Entwicklung im Waldviertel“ das „Wohin“ und brachte nicht nur die brandaktuellen weltweiten Tendenzen bei den der neuen Medien auf einen Nenner, sondern machte auch sehr viel konkrete Vorschläge, wie den durch die Profitorientierung erzeugten Rückständen bei der Telekommunikationsinfrastruktur entgegengewirkt werden kann, etwas durch schnelles kommunales Internet.

Franz Nahrada, ein (internationaler) IT-Experte trug seine anregende Konzepte zum „Globalem Dorf“ (digital hoch vernetzter ländlicher Raum) vor. Univ. Prof Nikolaus Dimmel aus Salzburg gab einen prägnanten Überblick zu seinem Forschungsprogramm zur sozialen Lage im Waldviertel. Bernhard Schneider stellte die aktuelle Neuordnung des Systems der Regionalentwicklung im Waldviertel bzw. in NÖ insgesamt dar, die auf eine völlige Zentralisierung und damit auf das komplette Gegenteil des Wirkens des legendären Waldviertler „Regionalbeauftragten“ Adi Kastner hinausläuft.

Damit nicht nur alle Anwesenden in den Genuß der interessanten und inspirierenden Referate und Diskussionen kommen können, wird das Verkehrsforum Waldviertel als Veranstalter demnächst die Beiträge durch Video und/oder Ton über das Internet verfügbar machen.