Anmerkungen zum TOD des Rekruten TONI

– Öffentlich bekannt wurde der Todesfall des Rekruten Toni erst breiter durch den Falter-Bericht und Folge-Berichte fünf Tage nachdem der Rekrut Toni am Do den, 3.8. zu Tode kam. Und dieser Bericht kam offenbar zustande, weil es von Seiten von Eltern verständlich großen Unmut gab.
– Es ist jedenfalls offensichtlich, dass hier in der Versorgung eines Notfalls vom Ausbildner über den Kommandanten bis zur Sanität wesentliche Fehler im Raum stehen, die aber offiziell nicht zugegeben werden.
– Eine zusätzliche Tragik des Todes des Rekruten TONI besteht darin, dass Toni Sportler, und auch offenbar besonders motiviert war.
– Hinweise auf teilweise bedenkliche Ausbildungsmethoden bei der Garde in Horn gibt es schon länger. Auch wenn jetzt in der Kritik verallgemeinernd übers Ziel geschossen wird, und auch kaum belegte Vorfälle im Umlauf sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Ausbildungsmethoden bei der Garde in Horn durchgehend ok sind.
– Die Frage, die tatsächlich schnell geklärt gehört, ist, ob es im konkreten Fall einen direkten Zusammenhang zwischen Ausbildungsmethoden und dem Todesfall gegeben hat, oder „nur“ einen indirekten Zusammenhang über das Klima, das eventuell von einer Minderheit unqualifizierter Ausbilder mitverursacht wurde, oder eben kein Zusammenhang besteht und dies eine Verkettung unglücklicher Umstände war.
– Dass nun sowohl von der Staatanwaltschaft ermittelt wird, und bundesheerintern zwei Kommissionen tätig geworden sind, ist eigentlich selbstverständlich. Nicht nachvollziehbar ist, dass der Bericht der internen Kommission laut Medien ERST in einigen Wochen erfolgen soll.

Im größeren Zusammenhang kann vermutet werden: Bis in die 70er gab es ja beim Heer wiederholt ähnliche Vorfälle wie jetzt in Horn. Dann gab eine Soldaten-Bewegung, die u.a. in der Gründung der Vereinigung Demokratischer Soldaten Österreichs (VDSÖ) mündete und auch Reformen. Leider gibt es eine solche Bewegung fast nicht mehr, und es hat leider auch keine Institutionalisierung eines österreichweiten Soldatenvertretersystems über die Truppeneinheit hinaus gegeben. Es ist zu hoffen, dass der tragische Tod eines jungen Menschen in Horn ein Ausnahmefall ist, und keinen Rückfall in einen früheren Militarismus anzeigt.

Es deutet einiges darauf hin, dass die versprochenen Reformen nach dem BürgerInnenentscheid pro Wehrpflicht nicht weit genug gingen. Und es ist auch denkbar, dass bei der laufenden Aufstockung des Heeres zu wenig auf Qualität geachtet wird. Angesagt ist jedenfalls eine Nachschärfung der Ausbildungsreformen und eine Stärkung der Rechte der Rekruten, insbesondere auch der Soldatenvertreter.

https://www.falter.at/archiv/FALTER_20170809A0CE240D4B/wer-noch-sprechen-kann-kann-marschieren

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